Als Malerin fühle ich mich zwar der traditionellen chinesischen Schreib- und Maltechnik verpflichtet, versuche aber nicht, wie in der traditionellen Technik, die Natur zu bezwingen, sondern ihr zu ihrem eigentlichen Glanz zu verhelfen.

 

Die Natur spielt in der chinesischen Kunst eine zentrale Rolle. Für mich ist sie eine Inspirationsquelle; Formen, Farben, Gestalten, in einem rhythmischen Zusammenfließen begriffen, bilden eine Ganzheit, die mit der lebendigen Natur korrespondiert. Aufgrund meines Kunstverständnisses und meiner Maltechnik kann und will ich meine eigenen Werke nicht einer bestimmten Kunstrichtung zuordnen. Meine Intension ist eher, westliche und chinesische Elemente in meine Werke aufzunehmen, sie zusammenschmelzen zu lassen. Durch bewußte Hinwendung zur europäischen Kunst sollte die eigene Tradition ihre Verbindlichkeit nicht verlieren, sondern durch meine Impulse erneut und unter erweiterten Vorzeichen neu ausgedrückt werden.

 

In meinen Bildern werden meine jahrelangen Erfahrungen und Erlebnisse in Europa, einem mir zuerst fremden Kulturkreis, verarbeitet. Es geht nicht um eine detailgetreue, naturalistische Wiedergabe. Mich interessiert in erster Linie, inspirierende Augenblicke zu erfassen, sie in ihrer Gesamtheit, Mehrsinnigkeit darzustellen, sie somit zu einem Ergebnis zu machen, an dem die Betrachter teilnehmen können. In der Kunst ist West und Ost nicht sehr weit entfernt, stelle ich immer fest, wenn ich die Bilder meiner deutschen Kollegen betrachte. In manchen Bildern zeigen sich erstaunliche Parallelen zur chinesischen Kunst – jede Kunst ist eine universale Sprache. In diesem Sinne ist die chinesische Malerei eine „Weltsprache“, die nicht lange geheimnisvoll bleiben soll.